März 2016

Moritz Morawski: Der Arzt, dem Berlins Basketballer vertrauen

Dr. Moritz Morawski © ukb

Auch wenn seine Korbtreffer-Quote gar nicht so schlecht ist: Mit seinen 1,90 Meter ist er für einen Profi-Basketballer zu klein. Als Mannschaftsarzt gehört Dr. Moritz Morawski seit fünf Saisons dennoch fest zum Team von Alba Berlin, einer der erfolgreichsten deutschen Basketball-Vereine. Der 35-Jährige ist Medizinischer Leiter des Zentrums für Sportmedizin am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb), das die „Albatrosse“ ärztlich betreut. Erst im Februar 2016 hat das Team seinen mittlerweile neunten Pokalsieg geholt. Dr. Morawski ist am Spielfeldrand immer dabei und beobachtet die Spieler auf Schritt und Tritt.

„In der Aufregung kann es schon einmal vorkommen, dass ein Spieler nicht sofort merkt, dass er sich verletzt hat“, erzählt der Sportmediziner Morawski. „Manchmal sehe ich dann schon, dass etwas nicht in Ordnung ist, bevor der Spieler überhaupt einen ersten Schmerz empfindet.“ Überbelastungen der Fußsehnen, Muskelverletzungen und Bänder-Traumata, die durch ein Umknicken der Füße verursacht werden, zählen dabei zu den häufigsten Basketball-typischen Verletzungen. „Als Team-Arzt bin ich allerdings nicht immer unbedingt der Freund der Spieler“, sagt der gebürtige Berliner. „Wenn sich einer der Profis verletzt hat, muss ich ihn auch schon einmal in seinem Spieldrang bremsen. Denn um mit der Mannschaft langfristig erfolgreich zu sein und zuallererst auch ihr eigenes Kapital, ihren Körper, zu schonen, sollten die Spieler nicht zu stark beansprucht werden“, gibt er zu bedenken.

Die Eingangsuntersuchung zu Beginn der Saison
Bevor ein neuer Spieler vertraglich an Berlins Basketball-Verein gebunden wird, findet ein erster medizinischer Check-up des Athleten statt. Dabei testen Dr. Morawski und seine beiden ärztlichen Kollegen die Leistungsfähigkeit des passiven und aktiven Bewegungsapparates des Spielers und schauen nach Vorverletzungen. Zusätzlich werden die Atemgase ausgewertet, um festzustellen, wie das Herz-Kreislauf-System und der Stoffwechsel auf unterschiedliche Belastungen reagieren. Dr. Morawski merkt an: „Falls es unsererseits Bedenken gibt, dass das Risiko eines Vertragsabschlusses für den Verein vielleicht zu groß sein könnte, beraten wir den Trainer natürlich in dieser Hinsicht.“

Sportmedizinische Prävention

Aus den Leistungsdiagrammen zum aktuellen Trainingsstand der Spieler erstellt der Athletik-Trainer dann in enger Absprache mit dem Ärzte-Team die individuellen Trainingspläne, um eventuelle Leistungsdefizite auszugleichen und die Basketballer optimal auf die Saison vorzubereiten. In den Trainingslagern lernt Dr. Morawski die Spieler medizinisch näher kennen, macht sich mit ihren Bewegungsmustern vertraut und schaut nach Haltungsschwächen oder Disbalancen. Dabei achtet er streng darauf, dass Verletzungen vorgebeugt wird und die Profis fit bleiben, so dass ihr Einsatz in Punktspielen nicht gefährdet ist.

Fordern statt Überfordern
„Wir wollen unsere Spieler fordern, ohne sie zu überfordern“, lautet Dr. Morawskis Grundsatz. Im Notfall muss er als Arzt schnell die richtige Diagnose stellen und reagieren. Für ihn besteht genau darin die besondere Herausforderung als Mannschaftsarzt: die Interessen des Trainers und der Spieler im Sinne des Team-Erfolgs auszubalancieren. „Einerseits das Vertrauen der Spieler zu genießen und andererseits loyal gegenüber den Verantwortlichen zu sein – das ist nicht selten eine Gratwanderung, für die man ein starkes Selbstvertrauen und zusätzlich diplomatisches Geschick braucht.“ Entschlossen ergänzt er: „Doch, das gelingt mir ganz gut.“

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach dem gewonnenen Pokalsieg konzentrieren sich die „Albatrosse“ nun ganz auf die Play-offs. Dr. Moritz Morawski wird dann wieder am Spielfeldrand um die Körbe mitfiebern: „Viele haben nicht erwartet, dass Alba Pokalsieger wird. Vielleicht gewinnen wir ja in diesem Jahr auch unsere neunte Deutsche Meisterschaft? Ich bin sehr guter Dinge, dass wir weit kommen werden.“

5 Fragen an Moritz Morawski

Warum sind Sie Sportmediziner geworden?
Sport war schon immer ein wesentlicher Teil meines Lebens. Es war schon früh mein Ziel, mit Sportlern zusammenzuarbeiten, am besten mit jungen Athleten. Ich möchte, dass der Patient, der krank zu mir kommt, komplett geheilt wieder nach Hause gehen kann. Das ist mein Ansporn.

Was finden Sie besonders spannend an Ihrem Beruf?
Da ich selbst sportlich sehr aktiv bin und dazu auch Mediziner, kann ich beide Perspektiven sehr gut verstehen. Ich gebe mein Wissen als Arzt und meine Erfahrungen als Sportler gern an meine Patienten weiter.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Ich bin 24 Stunden am Tag für Alba Berlin zuständig. In der Klinik bin ich grundsätzlich immer für Athleten und Trainer ansprechbar und auch am Telefon für sie zu erreichen. Während der Bundesliga und des Europa-Cups bin ich viel mit dem Team unterwegs und begleite es mindestens einmal in der Woche zu Auswärtsspielen.

Welche Entwicklung beobachten Sie auf Ihrem Fachgebiet?
In der Sportmedizin sind Erfahrungen bei der Behandlung von Verletzungen sehr wichtig. Es gibt viele Methoden, deren Wirksamkeit in Studien nicht signifikant nachgewiesen ist – aber wir Mediziner sehen, dass sie helfen. Das sollte nicht einfach von der Hand gewiesen werden.

Wie entspannen Sie nach der Arbeit am liebsten?
Ich verbringe meine Freizeit am liebsten mit meiner Frau und meiner anderthalbjährigen Tochter. Außerdem spiele ich Tennis und natürlich auch Basketball. Abschalten kann ich am besten, wenn ich durch den Berliner Grunewald laufe. Beim Berlin-Marathon bin ich jedes Jahr aktiv dabei.