März 2017

Dieter Oberndörfer: Strukturiert durch das Chaos

© D. Oberndörfer

Dieter Oberndörfer hat schon viel gesehen: Er war bei Hausbränden, schweren Verkehrsunfällen und Flugzeugabstürzen im Einsatz. Viele Jahre war der 50-Jährige als Rettungssanitäter, Rettungsassistent, Notfallsanitäter und Berufsfeuerwehrmann auf dem Rettungswagen unterwegs. Jetzt gibt er als Feuerwehrbeamter im gehobenen Dienst sein Wissen und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter und engagiert sich in der Aus- und Fortbildung dieser Berufe. Damit die Rettung von Verletzen vor Ort reibungslos funktioniert, setzt Oberndörfer auf Handlungsvorschriften mit einzeln definierten durchzuführenden Maßnahmen – wie das Trauma Care Bundle der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

In der Ruhe liegt die Kraft
Seit 30 Jahren ist Dieter Oberndörfer im Einsatz. Ihn scheint so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Meist sind es Verkehrs- oder Arbeitsunfälle, zu denen er und sein Team gerufen werden. Über seine Arbeit mit den Verletzten vor Ort redet er nicht viel. „Ich fahre zu den Bürgern, die mich gerufen haben und versuche, ihnen so gut wie möglich zu helfen.“ Außergewöhnliche Situationen meistert er mit Nervenstärke und Professionalität. Dabei seien routinierte Abläufe unverzichtbar, um in Unfallsituationen richtig handeln zu können, bekräftigt Oberndörfer. „Wenn um einen herum das Chaos regiert, helfen eingelernte Schemata wie das Opens external link in new windowTrauma Care Bundle, einen reibungslosen Ablauf der Erstversorgung zu garantieren.“

Das Schaubild als Aufkleber: Immer sichtbar

Die DGU hatte das Trauma Care Bundle als Maßnahmenbündel zur präklinischen Erstversorgung von Schwerverletzten 2016 auf den Weg gebracht und die einzelnen Elemente in einem Schaubild visualisiert. „Wir haben durchgesetzt, dass die Aufkleber zum Trauma Care Bundle mittlerweile in allen Frankfurter Rettungsfahrzeugen angebracht sind“, berichtet der Sachgebietsleiter des Frankfurter Instituts für Rettungsmedizin und Notfallversorgung (FIRN) Oberndörfer stolz. „Und auch laminiert in den Notfallrucksäcken ist das Schema schnell zur Hand.“

Gemeinsam und leitliniengerecht Leben retten
Das Trauma Care Bundle sei ein einfaches Mittel mit großer Wirkung, erzählt Oberndörfer aus dem Alltag: „Mitarbeiter des Rettungsdienstes können in einer extremen Situation mit mehrfach oder schwer Verletzten schnell und sicher Schritt für Schritt die richtigen Maßnahmen einleiten. Wenn dann ein Notarzt hinzugezogen wird, weiß dieser sofort, wie weit die Erstversorgung des Patienten fortgeschritten ist, und kann an der entsprechenden Stelle des Schemas eingreifen und weiterbehandeln.“

Fortbildung gerade auch für seltene Fälle

Oberndörfer nennt Zahlen zu den insgesamt fast 170.000 Einsätzen, die die hessischen Rettungsdienste 2013 gefahren sind: Zu 39 Prozent lagen internistische Erkrankungen zugrunde, 18 Prozent waren chirurgische Notfälle – davon wiederum 0,36 Prozent Polytraumata – und 2 Prozent der Patienten mussten reanimiert werden. „Dass ein Polytrauma relativ selten vorkommt, ist zwar erfreulich – allerdings ist es gerade deshalb so wichtig, dass Notfallsanitäter in solch seltenen Fällen nicht erst lange überlegen müssen, sondern sofort leitliniengerecht handeln können und damit das Überleben von Menschen sichern“, betont Oberndörfer. „Daher ist es wichtig, dass alle an der Rettung Beteiligten die entsprechenden Algorithmen kennen und ständig darin fortgebildet werden.“


5 Fragen an Dieter Oberndörfer

Wollten Sie schon immer zur Feuerwehr?
Ja, wie sicher viele Jungen. Ich bin dann auch in die Jugendfeuerwehr eingetreten, habe einen handwerklichen Beruf gelernt und mich dann bei der Feuerwehr beworben. Das habe ich nie bereut. Als mir das nicht mehr reichte und ich mehr „in die Zahnräder eingreifen“ wollte, habe ich die Ausbildung zum gehobenen Dienst gemacht.

Was ist Ihnen neben Ihrem Beruf wichtig im Leben?

Das ist meine Familie: meine Frau, meine beiden Söhne, 17 und 19 Jahre alt. Wir unternehmen viel gemeinsam. Meine Jungs waren immer stolz auf das Feuerwehrauto draußen vor der Tür. Der Ältere macht nach dem Abitur eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und will dann studieren, der Jüngere will zur Polizei.

Welchen technischen Fortschritt gibt es in Ihrem Berufsfeld?
Die Fahrzeug- und Gerätetechnik im Brandschutz, die Schutzkleidung und die Kommunikationstechnik haben sich enorm weiterentwickelt. Auch im Rettungsdienst hat sich viel getan – auch wenn es banal klingt: In jedem Fahrzeug ist zum Beispiel das gleiche Equipment enthalten. Wir sind heute außerdem viel schneller vor Ort.

Was tun Sie für sich zum Ausgleich?
Um fit zu bleiben, stehe ich jeden Morgen um 5 Uhr auf und gehe mit dem Hund joggen, dann kann der Tag losgehen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Dass ich an der Novellierung bestimmter Gesetze zur Strukturveränderung im Rettungsdienst mitwirken durfte.