März 2015

Antonio Ernstberger: Aktiv in der Versorgungsforschung

Der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Antonio Ernstberger aus Regensburg engagiert sich seit vielen Jahren in der Polytrauma-Versorgungsforschung. Derzeit schließt er in Deutschlands erstem zertifiziertem TraumaNetzwerk DGU® – mittlerweile sind es über 50 – die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie „PolyQualy“ ab. Das Projekt evaluiert die Versorgung und das Langzeit-Outcome polytraumatisierter Patienten. „Nachzuweisen ist die Leistungsfähigkeit eines Traumanetzwerks in einem Flächenstaat“, sagt Ernstberger. „Kommt der richtige Patient in die richtige Klinik zur richtigen Zeit?“

Auch für ein zweites Projekt der Versorgungsforschung ist Ernstberger gemeinsam mit Dr. Uli Schmucker aus München als Studienleiter verantwortlich: das Projekt „TeleQualy“, das die Anwendungsmöglichkeiten und den Nutzen von Teleradiologie und Telekonsultation in der Orthopädie und Unfallchirurgie im Allgemeinen und bei der Polytraumaversorgung im Besonderen untersucht. Gestartet wurde das Projekt 2014 von der AUC – Akademie der Unfallchirurgie gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Regensburg und in Kooperation mit der Sektion Notfall-, Intensiv und Schwerstverletztenversorgung (NIS) der DGU.

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es möglich ist, bei der Notfallverlegung für den Patienten wertvolle Zeit zu sparen, die regulären Zuverlegungen besser zu steuern und Fehltransporte zu minimieren“, sagt Ernstberger. „Unsere Erkenntnisse werden nun in der Breite eruiert.“ TeleQualy evaluiert dafür in Stufen die Leistungsfähigkeit der radiologischen Bildübermittlung sowohl beim Notfallpatienten als auch beim Einholen einer orthopädisch-unfallchirurgischen Zweitmeinung.

Darüber hinaus ist Ernstberger in der Unfallforschung aktiv. Die AARU-Verkehrsunfallforschung am Universitätsklinikum Regensburg in Zusammenarbeit mit der Audi AG hat zum Ziel, Unfälle zu vermeiden bzw. Unfallfolgen zu minimieren. „Letztlich muss die Prävention unser oberstes Gebot sein“, sagt Ernstberger.


Derzeit bereiten Sie im Team des DGU-Präsidenten auch den DKOU 2015 mit vor. Was sind die größten Herausforderungen? Was macht am meisten Spaß?

Aus den verschiedenen Präsidententeams von DGOOC, DGU und BVOU sowie der Intercongress GmbH ist schnell eine große Einheit geworden, die hervorragend harmoniert und zielstrebig an der Sache arbeitet, was viel Freude bereitet. Eine Herausforderung war das Planen des Kongressprogramms, bei dem wir einerseits auf höchste Attraktivität, andererseits auf das Vermeiden von Überschneidungen geachtet haben. Da ich große Freude am Organisieren und Planen habe, müsste ich eigentlich Vergnügungssteuer zahlen.

Welche Leistung/Entdeckung/Entwicklung bewundern Sie am meisten?

Automobil, Obelisc & TraumaNetzwerk.

Was sollte unbedingt noch erfunden werden?

Das wirklich unfallvermeidende Auto und eine OSG-Prothese* mit richtig langer Standzeit und sehr guter Wechselmöglichkeit.

Was hat Sie dazu gebracht, Orthopäde/Unfallchirurg zu werden?

Mohammad Maghsudi und Michael Nerlich. Diese beiden Menschen haben mir gezeigt, welche Freude O&U bereitet, nicht ohne auf die Beschwerlichkeit des Berufes aufmerksam zu machen. Ihr Wirken, ihr Handeln und ihr Vorbild brachten mich dazu, diesen Weg einzuschlagen, den ich heute mit großer Begeisterung gehe. 

Was lieben Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Das Operieren: Einem verletzten bzw. leidgeplagten Menschen durch diese Kunst Genesung zu schenken, ist das, was unseren Beruf auszeichnet. 

Das Zwischenmenschliche: Die Fürsorge für den Patienten und die Interaktion mit ihm sind mehr als bereichernd. Daneben bereitet es mir große Freude, zusammen mit exzellenten Kollegen das Bestmögliche für den Patienten zu tun. Denn insbesondere bei der Schwerstverletztenversorgung ist das sekundenschnelle Arbeiten im Team entscheidend: Hand in Hand arbeiten wir mit Anästhesisten, Viszeralchirurgen, Neurochirurgen, Radiologen und anderen Disziplinen zusammen.

Die Forschung: An der Optimierung der Versorgung mitzuwirken, ist wundervoll. 

Wenn nicht Orthopäde/Unfallchirurg – was würden Sie gerne sein?

Eigentlich gibt es hier keine Alternative … Formel-1- oder Jet-Pilot kämen gerade noch in Frage, aber mit weitem Abstand!

Können Sie sich noch an Ihre erste OP erinnern?

Ja, auch an diese K-Drahtentfernung an der Patella kann ich mich erinnern, aber prägender war meine allererste Assistenz bei einer Hüft-TEP als Zivildienstleistender. Hier wurde für mich klar – frei nach Wolfgang Ambros: „Operier‘n is des leiwaundste, wos ma si nur vorstell‘n kaun.“

Wie können Sie nach der Arbeit am besten entspannen?

Bei einem hervorragenden Essen zusammen mit meiner Frau.

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

DKOU 2015 & Habilitation!

Was geben Sie zukünftigen Orthopäden und Unfallchirurgen mit auf den Weg?

Der Beruf ist nicht leicht und der Weg ein steiniger. Aber wer Freude an Orthopädie und Unfallchirurgie hat, sollte unbedingt seiner Berufung nachgehen. Die Freude über das tägliche Schaffen und die Zufriedenheit, die sich hieraus ergibt, sind weder mit Gold oder Diamanten zu kaufen, noch durch Freizeit oder Abenteuer zu erreichen.

*OSG: Oberes Sprunggelenk

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